over the hills (version 2022)

am 4. august begebe ich mich mit hannes traditionellerweise wieder für ein paar tage in die berge. aufgrund privater umstände sind wir kurzfristig dazu gezwungen, vom auto auf den zug zu wechseln. obwohl wir zweimal umsteigen müssen, verläuft die fahrt relativ reibungslos und wir kommen gegen 16 uhr am brenner an. bei sehr heißen 35 grad rollen wir die 45km nach aicha bei brixen hinab. wir sind ziemlich erledigt von der hitze und der langen zugfahrt. morgen geht es auf der 1. etappe jedoch gleich richtig zur sache. mal sehen, wie das so wird…

1. etappe (5.8.): von aicha nach venas di cadore: 143km. 3560hm.

nach einem reichhaltigen frühstück starten wir um 8.15 uhr los. es bleibt kaum zeit zum einrollen. bereits nach 10 kilometern beginnt der anstieg hinauf zum würzjoch (passo delle erbe) auf 1987m ü.d.m. auch wenn es 1430hm am stück sind, geht die kletterei relativ spurlos an uns vorbei – bis auf ein paar vollidioten, die uns im abstand von einem millimeter überholen müssen.

peitlerkofel (2875m ü.d.m.)

nach einer kurzen brotzeitpause radeln wir weiter über corvara, dem zielort des maratona dles dolomites, hinauf zum passo campolongo.

corvara. im hintergrund der sassongher (2665m ü.d.m.)

danach liegt „nur“ noch ein pass vor uns – der passo di falzarego. unsere hoffnung ist, daß es nun etwas abkühlt. stattdessen schmoren wir auch auf 1900m ü.d.m. noch bei 35 grad. ich wünsche mir sehnlichst ein full-zip trikot herbei und ächze in der hitze. eine schöne szene dann im letzten drittel des anstiegs: eine italienische schulklasse, die beim wandern ist, bleibt am straßenrand stehen und klatscht begeistert unsere hände ab. in italien hat der radsport einfach tradition und das ist sehr erfreulich! oben auf der passhöhe angekommen verweilen wir nicht lange, da es bereits zuzieht.

wir haben gerade unsere regenjacken angezogen, da fängt es bereits in dicken tropfen zu regnen an. daraus entwickelt sich ein ergiebiger guss, der aber willkommen ist, da er für entsprechende abkühlung sorgt. wenig später passieren wir das unansehnliche cortina d`ampezzo und landen gegen halb sechs am heutigen bestimmungsort venas di cadore. wir sind einigermaßen gerädert, auch wenn die erste etappe wirklich gut gelaufen ist. nach verrichtung der täglichen routine konsultieren wir eine kleine pizzeria und „inhalieren“ dort das abendmahl in form von pizza, salat und dolce.

kleiderroutine in venas di cadore

2. etappe (6.8.): von venas di cadore nach bovec: 162km. 2522hm.

wir stehen früh auf. meine nacht war ziemlich horribel. ich hatte bauchschmerzen. vielleicht war die pizza zu fettig? wer weiß… unser frühstück ist recht karg. es gibt ein paar biscotti von unserer italienischen gastgeberin, dazu joghurt und eine tasse café. danach machen wir uns auf den weg vorbei am lago di centro cadore zum ersten anstieg dieses tages. dieser ist recht gut zu fahren, im oberen drittel etwas steiler und knackiger, aber sehr schön mit kleinen sich windenden serpentinen. oben auf 1790m ü.d.m. angelangt offenbart sich uns der bisher schönste blick auf die hiesige bergwelt.

auf dem weg hinunter kommen uns italienische rennradfahrer entgegen und rufen uns irgendetwas mit „chiuso“ entgegen. uns rutscht das herz in die hose, weil wir natürlich befürchten, daß genau die straße gesperrt ist, die wir benutzen müssen. wir passieren schneefelder, die keine sind, sondern aus dicken, fetten hagelkörnern bestehen. und wenig später sehen wir auch, was dieser sturm letzte nacht angerichtet hat.

die passstraße ist an einigen stellen verschüttet. wir hieven uns und unsere räder irgendwie drüber. auf der anderen seite in richtung sauris ist die lage verheerender: die straße ist „chiuso“ – wir haben glück. eine nicht enden wollende abfahrt beginnt ihren lauf mit großartigen ausblicken auf die umliegenden berge.

unten im tal beginnt es dann wieder zu regnen. den ersten schauer überstehen wir noch relativ gut. der gleich darauffolgende wird dann etwas heftiger und zwingt uns zur einkehr. wir stärken uns mit einem bier zu den klängen von „queen“, die uns heute den ganzen tag begleiten werden.

danach geht es weiter in richtung italienisch-slowenische grenze. hier wartet ein letzter hügel, der sich dann doch länger zieht als erhofft.

dann rollen wir hinunter nach slowenien und erreichen nach ein paar kurzen gegenanstiegen bovec. eilig duschen wir und finden unterschlupf in einem guten slowenischen lokal. gierig verschlingen wir alles, was uns der kellner vor unsere nasen setzt. bald darauf kehren wir zurück ins hotel und denken bereits an die nächste etappe. wir haben respekt vorm „mangart“, der uns morgen erwartet…

3. etappe (7.8.): von bovec nach kremsbrücke: 155km. 2685hm.

gegen 8 uhr geht es weiter. uns steht der mächtige anstieg zum mangart (2055m ü.d.m.) mit einer durchschnittlichen steigung von 9,1 % bevor. im ersten teil läuft es ganz gut und wir erreichen trockenen fusses die abzweigung hinauf zum gipfel, wo ich meine satteltasche im gebüsch verstecke. hannes entscheidet sich dazu, diese mitzuschleifen.

bei mir geht es natürlich gleich um einiges leichter vonstatten. die äußeren umstände sind dennoch suboptimal. der mangart versteckt sich im dichten nebel bei frischen 11 grad. oben an der schranke angekommen überlegen wir lange, ob wir überhaupt weiterfahren können bzw. dürfen.

ich frage einen radler, der gerade unter der schranke hindurchschlüpft, ob es möglich sei, zum gipfel zu gelangen und er antwortet leise mit ja. dann tasten wir uns die letzten zweihundert höhenmeter empor. da es dort äußerst kühl ist und die sicht bei null liegt, machen wir uns gleich darauf vorsichtig an die abfahrt.

an der slowenisch-italienischen grenze halten wir kurz, um ein typisches slowenisches landesgericht (sauerkraut-wurst-kartoffeln-bohnen) einzunehmen. relativ unbemerkt huschen wir danach von italien nach österreich. der erste teil auf österreichischer seite verläuft relativ ereignisarm, bis wir irgendwann den millstätter see erreichen.

in kremsbrücke beenden wir unsere heutige fahrt und übernachten in einem einfachen gasthof, wo ich kurz mit meiner tochter telefoniere.

4. etappe (8.8.): von kremsbrücke nach freilassing: 149km. 1899hm.

das geräusch von draußen lässt nichts gutes erahnen. es regnet. gegen 8.30 uhr müssen wir dann doch aufbrechen. wir haben auch für heute einen straffen zeitplan. und es geht gleich voll rein: der katschberg – eine drecksau von berg! vor allem auf den letzten drei kilometern mit einer durchschnittlichen steigung von 11,9 %. es ist arschkalt bei 11 grad und es regnet konstant dahin. gott sei dank habe ich hannes` „velotoze“ dabei. sonst wäre ich an dieser stelle schon längst abgesoffen. wir mühen uns den berg hoch und erreichen irgendwann die passhöhe auf 1641m ü.d.m.

die abfahrt wird die hölle. ich schiebe mehr als daß ich fahre. für meine shimano ultegra felgenbremsen ist dieser steile berg bei regennasser straße zuviel. die durchschnittliche steigung beträgt auf der nordrampe sogar 12,3 %. natürlich hört es auch nicht zu regnen auf. kurz darauf befinden wir uns schon im nächsten anstieg, dem radstädter tauernpass (1738m ü.d.m.) – ein weiterer beschissener drecksberg! nicht so steil wie der katschberg. aber unglaublich viel befahren. oben auf der passhöhe sieht es auch nicht wesentlich besser aus. der ort obertauern ist eine verwüstete ski-landschaft. einziger lichtblick eine statue von den beatles…

im märz 1965 weilten die pilzköpfe in obertauern für dreharbeiten zu ihrem film „help!“ (foto: hannes klessinger)

auch die abfahrt von obertauern wird zur zitterpartie. es regnet nach wie vor und infolge der immensen nebelbildung sinkt die sichtweite unter 100 meter. im schneckentempo taste ich mich talwärts. dann endlich – als wir unten angelangt sind – hört es nach vier stunden zu regnen auf. irgendwo machen wir rast und holen uns beim „spar“ je zwei „bavarian big macs“. wir haben die uhr im blick bzw. eher hannes, da mein fünf jahre alter wahoo nun endgültig den dienst versagt. allmählich wird es wieder wärmer und wir schälen uns stück für stück aus unseren regenklamotten. eilig rasen wir unserem ziel salzburg bzw. freilassing entgegen.

salzburg

in freilassing erwischen wir den zug um halb fünf und kommen mit einer halbstündigen verspätung um 19.45 uhr wieder in regensburg an – das ende einer sehr abenteuerlichen reise.

609km. 10.666hm.

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