Schleudergang 1000 – Ein Versuch sich auf Teufel komm raus einen Plattfuß zu fahren.

Mit Thomas melde ich mich vor Monaten zum Schleudergang 1000 an. Die erste Austragung einer Allroad-Veranstaltung der Radsportgang SLRDGNG aus Nürnberg und Dresden. Neben den ganzen reglementierten Brevets und Langstreckenrennen, ein sehr entspannter Ansatz. Sehr offene und inklusive Menschen und Atmosphäre. Ein großes Lob.

Freitag 3.7. (170 km / 730 hm) – Es ist egal, aber
Ich fahre im Schonwaschgang von Regensburg nach Nürnberg zum Z-Bau (Zuletzt war ich dort bei Tocotronic). Dort findet der Check-In statt. Nach 80 km fange ich mir bei Lauterhofen ein nagelähnliches Teil im Hinterrad ein. Der Mantel sitzt nach dem Schlauchwechsel sehr unrund auf der Felge. Im Vorfeld gab es nervöse Diskussionen über alles Mögliche, insbesondere den Versicherungsschutz der Teilnehmer. Es gipfelte darin, dass ich neue Versicherungen abgeschlossen (und widerrufen) habe. Auch eine Heiratsurkunde hatte ich sicherheitshalber als Bild am Handy dabei. Ich treffe dort auch Thomas. Wir trinken Bier und fahren zu ihm nach Hause und begeben uns zeitig ins Bett.

 

Samstag 4.7. (270 km / 3.300 hm) – Tausend Tränen tief
Hauptwaschgang: Start ist um 7 Uhr, nach dem neutralisierten Start wird im Reichswald, dem Entenberg und Hartenberg selektiert. Die erste von vielen folgenden nicht Asphaltstreckenabschnitten. Anschließend geht es am Fünf-Flüsse-Radweg über Sulzbach-Rosenberg ins Naabtal, von dort über Weiden nach Flossenbürg. Wir Stoppen im Cafe der KZ-Gedenkstelle. Thomas denkt mit und hat die Tracks in sinnvolle Teile zerlegt. Am Endpunkt ist immer eine Versorgungsmöglichkeit. An der deutsch-tschechischen Grenze geben wir noch ein entspanntes (?) Videointerview dem gutgelaunten „Media-Team on 2 Wheels“. Wir passieren die grüne Grenze. Ab da kommt viel Offroadanteil auf uns zu. Die „Radwege“ laufen wie eine Linie über das wellige Gelände. Der Asphalt ist alt, die Natur hat ihn wiedererobert. Gnadenlos wird mir die wenig zugeführte Energie genommen. Wir passieren das mondäne Marienbad und vergessen uns mit Wasser zu versorgen, bevor wir 50 km auf der Hochebene im Kaiserwald nichts mehr außer Golfplätze und Kühe sehen. Kurz vor Loket endlich eine offene Tankstelle. Wir kaufen Eistee und trinken den auf Ex aus. Die Abfahrt nach Loket erfolgt auf einer grob geschotterten Bahntrasse (daneben wäre eine schöne Asphaltstraße). Die Streckenwahl ist beabsichtigt. Wir müssen uns viele Kilometer nicht mit dem Autoverkehr rumärgern. Dafür schmerzen meine tauben Hände und der Po umso mehr. In Loket gibt es einen herzlichen Empfang, man fühlt sich zu Hause. Neben vegetarischen Kostbarkeiten locken mich die Speisen und Getränke des hiesigen FK (Gulasch & Pilsner). Duschen und wieder rein in die stinkenden Kunstfasern. Wir schlafen ein paar Stunden auf der Fußballplatztribüne.

 

Sonntag 5.7. (175 km / 2.500 hm) – Du musst gar nix
Einweichen: Thomas hat eine Schraube seines Cleats verloren. Er macht es komplett ab und versucht sich im runden Tritt. Wir fahren Richtung Norden. Betonplattenstraßen führen uns durch das einsame Tschechien in das frühmorgentliche, verschlafene Erzgebirge. Es windet und fängt an zu regnen. Wir gesellen uns zu zwei anderen Teilnehmer an einem Unterstand. Es schwindet die Hoffnung, dass wir es heute bis Dresden schaffen, respektive in die Sächsische Schweiz, was der ursprüngliche Plan gewesen wäre.

Kurz und bündig: „Leider mussten wir das Abenteuer abbrechen. 2 Pannen inkl. meiner verlorenen Pedalplatte, das Regenwetter und die Tatsache, dass wir 5h keinen offenen Bäcker, ein offenes Gasthaus oder Café gefunden haben hat uns den Zahn gezogen. Selbst die öffentlichen Toiletten sind hier am Sonntag zugesperrt. Könnte ja ein Fremder draufgehen…“ (Thomas)

Ohne große Diskussion entscheiden wir uns für einen Abbruch und nehmen Kurs auf Chemnitz, dem nächstmöglichen Escapepoint. Dorthin, auf besten Asphalt fängt sich Thomas seinen Platten ein. Durch Chemnitz ereilt uns eine letzte kräftige Dusche, wir steigen vollkommen durchnässt in den Zug nach Hof. In Marktredwitz trennen sich unsere Wege. Ich sammle noch ein paar Kilometer bis Weiden, da erst wieder ab dort eine Weiterfahrt mit dem Zug möglich ist.

615 km / 6530 hm

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