Andechs Calling

 „Bist deppert, hast es gestern eilig gehabt und es hat eine junge Frau gewartet?“ (Il Rosso) 

Nachdem man sich wegen des mäßigen Wetters letzten Samstag zu schade war, den Chiemsee von München aus zu umrunden, stand man beim 300er in Treuchtlingen am Start. Der 300er „Zum Klosterbier – der Klassiker“ ist das unterschätzte Brevet beim Karl. Nach drei Jahren Abstinenz finde ich mich wieder am Start ein. Dieses Mal ist auch Thomas mit dabei. Vor der Abfahrt bleibt noch Zeit, sich auch mal in Echt mit Anja bekannt zu machen. Uns verbindet das Tiling, sie findet meine „1.000 km/Monat“-Serie bemerkenswert, ich finde, ihre „Randonneur Round the Year“- Serie ist es noch viel mehr. Eine 200km-Fahrt in Wintermonaten? Habe ich noch nie machen wollen. 

Das mit dem erhofften Schönwetterradeln schien bereits mit dem ersten geschulten meteorologischen Blick gen Himmel unmöglich. Die bummelnde Startgruppe verließen Thomas und ich am ersten markanten Anstieg bei Pappenheim. Dort schlossen wir zu Andreas und Phillip auf. Beides Bekannte von Thomas. Vor der ersten Kontrolle in Aichach ist es dann doch passiert. Es braute sich was zusammen. Wir wurden nass. Wie sehr ich das Quietschen von Scheibenbremsen bzw. das Schleifen von Felgenbremsen (wohl nur noch meine) liebe. 

Meine Motivation ist wegen der paar Tropfen Regen schlagartig im Keller, ich sehe mich schon im Zug sitzen. Wir ziehen uns die Teflonjacken an und weiter geht’s. Thomas ist darüber froh, denn ich reduziere mein angeschlagenes Tempo. Unser Quartett harmonisiert mit fortschreitender Reise immer besser. 

Exkurs: Professionelle Vorbereitung für Langstreckenradeln 
  1. „Viel hilft viel“: Die fünf Tage zuvor bin ich am Rad gesessen. Eher schlapp als spritzig 
  2. „Zu viel Schlaf ist ungesund“: Um unter Spannung zu sein, bitte am Vorabend nicht zu viel Schlafen. 5 Stunden sind mehr als genug. 
  3. „Entgiftung erfolgt nach Vergiftung“: Besuchen sie am Vorabend Wochenmärkte und nehmen sie alle Angebote wahr, die sich ihnen bieten. 


Alkoholfrei in Andechs 

Thomas fragt mich „Was hast du in deinen Trinkflaschen?“ (das identische zuckerhaltige Getränk wie er), „was bekommst du zu Hause zum Essen?“ (Superfood?). Wir umfahren im Donaumoos eine größere Gewitterzelle und kommen trocken voran. Ab Neuburg sind noch drei, vier längere Anstiege zu meistern, es läuft wie geschmiert. Wir erreichen in der Dämmerung den Beginn unserer Reise. Keine fünf Minuten später bricht ein Fetzen Gewitter über uns los. Thomas bringt mich zum Hbf Nürnberg. Ich komme trockenen Fußes um 0:45 zu Hause an. 


Zu viert geht’s besser: Phillip, Andreas, me & Thomas 

320 km // 3.000 hm // 11:30 Text: HK // Bild: HK & Thomas Steffl 

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