sailo`s tour de force de oberpfalz super super large 2020

freitag, 21.8.2020

kurz vor halb sechs uhr morgens mache ich mich auf den weg. heute steht mir der ganze tag zur verfügung und den möchte ich nutzen. einmal durch die gesamte oberpfalz und zurück – so lautet mein plan. langsam bewege ich mich im dunkel der nacht gen norden. der herbst kündigt sich an und taucht die felder in nebel, als eine dreiviertelstunde später die sonne aufgeht.

da der erste teil relativ flach verläuft, erreiche ich schon nach kurzer zeit schwandorf.

irgendwo bei nabburg mache ich bekanntschaft mit einem lettischen fahrer. er trainiert für ein mtb-rennen im nahe gelegenen tschechischen klattau. seine offerte, mir für ein paar tausend euro eines seiner mountainbikes zur vermachen, lehne ich dankend ab und rolle weiter richtung pfreimd. über weiden erreiche ich schließlich neustadt an der waldnaab mit seinem schönen mittelalterlichen kern.

wenig später mache ich kurz halt in falkenberg, um die majestätische burg zu bestaunen, die auf ihrem wollsackverwitterten felsen thront.

über mitterteich, der einstigen corona-hochburg, gelange ich gegen elf uhr nach waldsassen – dem nördlichsten punkt meiner heutigen tour. während ich das prachtvolle kloster bestaune, springt mir die anzeige eines hiesigen wirtshauses ins auge. SCHWEINSHAXN MIT KNÖDEL!! mit einer maske getarnt pirsche ich mich in den biergarten zur wirtin heran. vorsichtig frage ich, ob das „gute stück“ denn schon zu haben sei. „mei, a hoibe dreiviertlstund` werds scho no dauern!“, entgegnet sie mir lapidar. die enttäuschung steht mir ins gesicht geschrieben. unverrichteter dinge ziehe ich von dannen.

kloster waldsassen
…was für ein jammer!

in tirschenreuth mache ich rast im schatten eines baumes. die hälfte ist geschafft!

als ich mich eine halbe stunde später wieder auf den weg mache, dämmert mir, daß der spaß jetzt erst so richtig los geht! auf knapp 150km warten noch einmal 2000hm. allein die nächsten 45km haben es mit ihren 900hm so richtig in sich. zusätzlich zeigt das thermometer mittlerweile 33 grad an, was die bevorstehende kletterei doppelt erschwert. meine geschwindigkeit sinkt, der flüssigkeitsbedarf steigt. ich brate in der sonne. da hilft auch keine designer-tankstelle mehr…

irgendwann stehe ich dann doch bei 852m ü.d.m. auf dem gipfel meiner oberpfalzrunde und werde für meine mühen mit dieser aussicht entschädigt…

kurz pausiere ich, um meinen körper von den hohen ozon-werten zu befreien. dann folgt die abfahrt nach flossenbürg. freilich werde ich nachdenklich, als ich vor den überresten des konzentrationslagers stehe.

in waidhaus fülle ich einmal mehr meine trinkflaschen auf. als mir die verkäuferin in der tankstelle verkündet, daß gerade 37 grad in der sonne gemessen wurden, wird mir doch ein wenig schwindlig. die x-te eisgekühlte cola verdampft in meiner durstigen kehle. woher ich denn komme und wohin ich will, möchte die dame hinter der theke wissen. als ich ihr erzähle, daß ich von regensburg nach waldsassen geradelt bin und jetzt wieder auf dem weg dorthin zurück, wird sie bleich. „wos? heid no?“, fragt sie mit entgeisterter miene. ich versuche sie zu beruhigen, indem ich ihr erläutere, daß es ja noch einige stunden tageslicht gebe und man schließlich auch in der nacht fahren könne. wenig überzeugt winkt sie mir zum abschied. die schwersten anstiege liegen hinter mir. die hügel indes wollen nicht abflachen. immer wieder komme ich an einer der zahlreichen oberpfälzer zoigl-stuben vorbei…

ich hätte gute lust, mir dort ein bier zu gönnen. aber leider reicht die zeit dafür nicht aus. bald darauf geht der oberpfälzer wald in den bayerischen über – mit seinem vertrauten, stets wunderschönen anblick!

über rötz schlendere ich nach roding, wo mich der anmutige „regen“ kurz innehalten lässt.

gleich danach muß ich mich nochmal gewaltig ins zeug legen. ziemlich steil geht es nach loibling hinauf. doch ich werde belohnt. irgendein netter mensch hat an einer malerischen stelle eigens eine bank für mich aufgestellt!

während ich verweile, lasse ich den tag revue passieren. es ist balsam für die seele, in die völlige ruhe und abgeschiedenheit des langstreckenfahrens einzutauchen.

die letzten 30km absolviere ich zügig und komme bei einbruch der nacht wieder in regensburg an.

307km. 3132hm.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.