Ritt durch drei Länder…der Freyunger Radmarathon

Sonntag, 10. Juli, 5:15h schellte die Klingel und es war soweit. Herr Lämmel begab sich murrend, aber hochmotiviert an das Gartentor und wurde schon von Mike und Sailo frischfröhlich empfangen. Ab das Rad ins Auto und rauf auf die Autobahn Richtung Passau…der Freyunger Marathon wollte bestritten werden.

god_anreise

Kurz vor Ankunft kamen uns schon die ersten Fahrer entgegen, die Stimmung wurde gespannter…waren wir zu spät? Sind schon alle unterwegs? Aber nein…wir waren genau richtig, denn auch nach uns kam noch ein weiterer Schwung, der auf dem Start/Ziel Platz parkte. Raus die Räder, drauf mit der Sonnencreme, Startnummer gekauft und los gings…7:35 bei schönstem Sonnenschein, trotz der noch etwas kühlen Tageszeit war keine Weste nötig.

Sofort nach dem Start gingen die ersten Wellen los und uns war blitzartig klar: locker einpedalieren und Kräfte sparen. Die Steigungen waren nicht ganz so zackig wie teilweise nach Falkenstein, dafür jedoch länger gezogen. Was auch sofort auffiel waren die sehr guten Straßenverhältnisse, und dies sollte sich durch die gesamte Tour durchziehen, der Belag war immer in einem Radler verwöhnendem Zustand, egal ob Wald oder normale Straße.

An der Weidhütte warmgefahren, bogen wir links in den Wald ab und schon hier kam uns der wilde bayerische Wald mit seinen Wucherungen entgegen. Ähnlich dem Kehlheimer Forst, aber wesentlich länger und dichter zog sich die Strecke entlang an „fantasy“-like wuchernden Wiesen, die zwischen den Bäumen zu erhaschen waren. Aus dem Wald heraus kamen wieder die Wellen, man merkte jedoch, dass man im Grunde immer höher hinaufkam, die Abfahrten wurden weniger, dafür die Aussichten umso schöner, blauer Himmel und grüne, selbstregulierende Natur, wesentlich weicher als in der Oberpfalz, ein Traum…bis wir an einer Auffahrt ankamen, die endlos gerade nach oben ging. Ja, dieser Brocken wollte erklommen werden. Oben angekommen ging es kurz durch ein Dorf (Mauth) zur ersten Verpflegungsstelle. Einfaches Schmalzbrot, Gurken, Tomaten und Kuchen passten genau in den Plan.

Weiter gings, immer höher hinauf, immer schöner wurde die Landschaft bei strahlendem Sonnenschein und kühlendem Wind, bis wir in Philippsreut den höchsten Punkt erreichten…ca. 1000 Meter über dem Meer. Dann erst kam die leicht längere Abfahrt, die uns über die Grenze in die Tschechei brachte und uns in einen dichten Wald eintauchen ließ. Auf ebener Strecke, leicht abgelenkt von einigen Düften tschechischer Gasthäuser und immer wieder über Gleise einer alten Bahnstrecke fahrend fanden wir Anschluss an einen unglaublich durchtrainierten ca. 60 Jahre alten Herren vom rsc Kehlheim mit Öztaler Trikot. Wir bildeten einen Zug mit abwechselnden Frontfahrern durch den Wald, die Geschwindigkeiten waren immer zw. 35-40 kmh. Kurz nach dem Wald gab es die zweite Verpflegungsstation…ja Schmalzbrot ist wieder und immer lecker! Sailo sprach mit der alten „Rakete“ und es stellte sich heraus, dass er den Ötztaler schon mehrfach bestritten hatte…“Mei, sind halt 238km und über 5500hm, muß ma halt langsam fahren“.

Weiter gings über einen kleineren Anstieg entlang des Moldaustausees nach Österreich, Richtung Schöneben…deutlich spürbar waren die nun angestiegenen Temperaturen, der kühle Wind wurde heißer und schwächer, die Strecke jedoch immer abwechslungsreicher. In Österreich gingen wieder die Auffahrten los, ich machte dabei eine kleine Gruppe von älteren zähen Tourenfahrern kirre, indem ich mich immer wieder schlucken ließ, aber bei den Abfahrten und Geraden wieder fortwalzte. Die Landschaftsaussichten waren auch wieder der Hammer, wieder strahlend blauer Himmel und weite Landschaften, wenn auch nicht ganz so wild wie natürlich der bayerische Wald, österreichisch luftig eben. Vorbei an Skigebieten gings auf den Ulrichsberg…und kam dann eine Monsterabfahrt. Unglaublich lang einsehbar eine einzige Gerade brachte 86,8kmh aufs Tacho.

Kurz danach ging es wieder über die Grenze nach Deutschland und die Wellen fingen wieder an zu wogen. Das heiße Wetter machte langsam zu schaffen, der Spitzenwert lag nun doch bei 37 Grad und gerade bei den Auffahrten fehlte nun der Wind komplett, die Luft stand teilweise.Rechts neben uns lag ein harten Bergkamm mit oberer Erusion, was ganz gut ins Bild passte. Die Wellen zehrten nun doch langsam an den Kräften, und so kam die letzte Verpflegungsstelle ganz recht. Her mit den Schmalzbroten und der sauwarmen Cola, egal! Die alten Tourenfahrer waren auch da, einer versuchte zu flunkern „So, jetz gehts nur noch geradeaus“…jaja nix da.

god_verpflegungsstation

Weiter gings, zurück Richtung Freyung. Das wellenartige Profil wurde dann abgelöst durch drei weitere Anstiege und es wurde immer heißer, die Beine immer schwerer (ausser natürlich die von Sailo;). Die letzten Wellen noch…und dann rollten wir ohne noch einen Tritt zu machen ins Freyunger Zentrum, wurden vom gepflasterten Marktplatz „durchmassiert“ und kamen glücklich am Ziel an, das im Übrigen direkt am Freibad gelegen war. Ein Riesenvorteil, denn wir konnten uns dort, nachdem wir die Räder verstaut hatten, umsonst die herrliche Freude einer erfrischenden Dusche gönnen. Danach gab es noch das langersehnte Radler für die Innenkühlung und unsere ersten Gespräche über die Tour.

god_feierabendradler

Fazit: Ein 35 jahre alter, fast familiär geführter und null überlaufener Marathon (280 Fahrer), der einen mit seiner anspruchsvollen Streckenführung durch verschiedene Länder unglaublich beeindruckt. Soviel unterschiedliche Landschaftseindrücke hatte ich bis jetzt bei keinem Marathon gehabt. Bei 152km und 2500hm ein absoluter Geheimtipp!

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