eine kleine randonnée

donnerstag, 4. juli: 340km. 4620hm.

5 uhr morgens. hannes und ich starten von der haustür aus los. wir wollen gemeinsam eine zwei-tagestour unternehmen – quasi als vorbereitung für paris-brest-paris 2019. das wetter ist bestens, der wind hält sich in grenzen und so rollen wir gemächlich über vilsbiburg und waldkraiburg am chiemsee vorbei. kurz vor der österreichischen grenze machen wir eine längere mittagspause in sachrang.

in österreich fallen mir schilder auf, die zumindest versuchen, etwas mehr sicherheit und gelassenheit auf die straße zu bringen.

wir passieren den walchsee und schlängeln uns immer weiter durchs tal nach lofer. irgendwo bei kilometer 200 streiken plötzlich unsere wahoo-geräte. kein gps-emfang, keine route. das ist mir neu. nach erneutem starten fängt sich das ding wieder. ohne navigation wären wir dann doch ein wenig aufgeschmissen. in weißbach bei lofer beginnt dann der ca. 7km lange anstieg zum 1183m hoch gelegenen hirschbichl. mühsam klettern wir den ersten teil hinauf. die steigung bewegt sich kontinuierlich zwischen 10 und 20%. es ist jedoch ein kinderspiel im vergleich zu dem, was uns danach erwartet…

h. meint lapidar, daß wir ab jetzt halt schieben müßten. doch zwei sekunden später befinden wir uns schon auf dem extremsten anstieg, der mir bis dato untergekommen ist. mehrmals schaltet sich das wahoo-gerät aus und wieder an, da es annimmt, wir würden stehen. mit einer geschwindigkeit von 4 km/h ist das auch völlig nachvollziehbar. zusätzlich zieht uns die 2kg schwere satteltasche wie ein stein in die tiefe. die reifen drehen durch, jegliche bodenhaftung scheint verloren. wenn uns nun ein auto entgegen käme…
wie durch ein wunder erreichen wir die passhöhe, ohne absteigen zu müssen. h. hat gut lachen…

und das panorama ist natürlich grandios…

trotz dieser strapaze nach 244km sind die beine noch recht locker und so geht es weiter nach berchtesgaden…wo allerdings der nächste monsterberg auf uns wartet. es geht die roßfeldhöhenringstraße hinauf – mit einer passhöhe von 1560m die höchste durchgehende straße deutschlands. langsam beginne ich an h.`s geistiger gesundheit zu zweifeln, als ich das erste straßenschild sehe, das eine steigung von 24% ausweist. auf 12km müssen über 1000hm bezwungen werden. daß dies auch hier wieder heftigste steigungen im hohen zweistelligen prozentbereich bedeutet, ahnt jeder laie. hitler wußte schon, warum er sein kehlsteinhaus auf dem nahe gelegenen obersalzberg errichtete. mein sturschädel führt indes dazu, daß ich auch diesen riesen in einem ruck bezwinge.

mittlerweile summieren sich die höhenmeter auf über 4000 bei 284 zurückgelegten kilometern. da würde auch jeder tourprofi jammern. h. konstatiert, wir hätten uns nun eine abkürzung auf dem weg zum heutigen tagesziel verdient. gegen 21 uhr erreichen wir schließlich unsere bleibe bei hannes` freundin susi in der nähe von inzell. statt der erhofften einsparung stehen 100hm mehr zu buche. traue niemals einem klessinger. diese etappe ist mit abstand das heftigste, was mir bis jetzt unter die räder gekommen ist. daran kann auch der watzmann mit all seiner erhabenheit nichts ändern…

freitag, 5. juli: 213km. 2330hm.

nach 5 kurzen stunden schlaf stehen wir gegen 6 uhr auf. der körper steht zu sehr unter strom, als daß man länger nächtigen könnte. nach einem kleinen frühstück verabschieden wir uns von susi, ihrem freund und ihren hunden (…wollt ihr ewig leben? 😉 ). auch h. ist klar, daß wir die heutige strecke entscheidend kürzen müssen, wenn wir uns eine überlebenschance sichern wollen. knackig wird nochmal der riedl…

…sowie der haunsberg mit seinen steilen rampen.

danach fahren wir hügelauf, hügelab aus oberösterreich hinaus nach simbach am inn, wo wir uns im „weideneder“ zur labe niederlassen.

der kopf wiegt schwer, die glieder sind müde von der gestrigen tortur bei über 30 grad, die uns auch heute wieder begleiten. wir kommen weder mit dem essen noch mit dem trinken hinterher. nach 60km sind beide trinkflaschen wieder leer. da wir „mitten in der pampa“ stehen, versuchen wir unser glück bei einem verlassen aussehenden gasthof. niemand öffnet und so bedienen wir uns schlechten gewissens selbst am leitungswasserhahn – rechtfertigen unser tun durch unsere notsituation. andernfalls wären wir ein paar kilometer später vom rad gefallen. über bad griesbach führt unser weg nach vilshofen, wo wir die donau queren, um in den bayerischen wald zu gelangen. eigentlich stünde heute noch der lusen auf dem plan. doch wir sind heilfroh, als wir gegen 18 uhr bei hannes` mutter in der nähe von saldenburg eintreffen. im wirtshaus essen und essen wir. unsere leer gefahrenen energiespeicher lassen sich allerdings nicht mehr so schnell auffüllen. gegen 23 uhr bin ich im bett. der schlaf trotz weißbier ein wenig tiefer.

freitag, 6. juli: 114km. 590hm.

um 6 uhr wache ich auf, unterhalte mich noch ein wenig mit hannes` sympathischer mutter und befinde mich eine stunde später wieder auf dem rad. heute heißt es nur noch ausrollen. die letzten kilometer nach regensburg. bei simmetsreut muß ich ein letztes mal über einen größeren berg.


ab hengersberg fahre ich ruhig dahin und steige um 11.30 uhr erschöpft vom rad. was für eine entspannte kleine randonnée…

667km. 7540hm.

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