54×13 – Buchrezension

Kürzlich erschien das Buch des 1946 in Paris geborenen Autors Jean-Bernard Pouy, der eigentlich mehr für seine Kriminalgeschichten bekannt ist, in deutscher Sprache. Der „Klappentext“ liest sich vielversprechend:

„… Auf der 17. Etappe der Tour de France setzt sich Lilian Fauger, ein Tour-Debütant aus Dünkirchen, völlig überraschend vom Peloton ab. Mit seiner fulminanten Fahrweise hat er ein Loch aufgerissen. Dabei kommt er ins Grübeln: Und wenn heute mein Tag, meine Etappe wäre? Als hinter ihm die Jagd eröffnet wird, ist er kein Ausreißer mehr, er ist ein Flüchtiger, der nunmehr spürt, wie eine entschlossene Meute von Verfolgern, eine Art Exekutionstruppe, ihm auf den Leib rückt. Was mag einem Ausreißer wohl durch den Kopf gehen, der auf seiner Soloflucht unter immer stärkeren Schmerzen leidet? Genau diese Frage stellt Jean-Bernard Pouy in seinem Thriller: Ein Radrennfahrer leidet vier Stunden lang. Vier Stunden aus dem Leben eines Tour-de-France-Neulings. Ein spannender und makabrer Roman noir, der unter die Haut geht – bis zum Zielstrich …“

Erwartungen verfehlt
Zunächst die Aufmachung: Das Coverbild stammt vom Schweizer Illustrator Marc Locatelli. Offensichtlich wurde die Illustration eigens für diesen Titel angefertigt, wenn man jedoch das Buch liest stellt man fest, dass der Protagonist keineswegs eine nur annähernd entscheidende Rolle im Klassement trägt, also auch kein Anwärter auf das maillot à pois rouges ist und dann auch noch auf einem Zeitfahrrad unterwegs ist – natürlich ist die Illustration für sich dennoch ausgezeichnet.

Für den Satzspiegel hat man sich eine interessante Art überlegt, die körperliche Anstrengung des Erzählers zu visualisieren. So werden je nach Grad die Spaltenbreiten bei größerer Anstrengung immer schmaler, als wenn ihm die Luft zum erzählen ausgeht. Aber leider ist auch beim Satzspiegel nicht konsequent gearbeitet worden und so finden sich je nach Laune mal eingerückte Absätze oder eben auch nicht.

Der Titel 54×13 soll natürlich eine Kettenübersetzung widerspiegeln, was auch in der Einleitung ausführlich erklärt wird. Die einzelnen Kapitel folgen zwar der Chronologie 54xXX, haben aber mit real existierenden Übersetzungen irgendwann nichts gemein. Eigentlich schade, hätte man doch diese gute Grundidee kombiniert mit dem sich anpassenden Satzspiegel fantastisch umsetzen können.

Inhaltlich werden leider auch die Erwartungen, die einem Rennradenthusiasten suggeriert werden nicht erfüllt. Im Kern: … Vier Stunden leiden, ein Peloton im Nacken und der Kampf gegen die Schmerzen – was geht in einem dabei nur vor? … Jeder der schonmal ähnliche Erfahrungen gemacht hat, oder einfach „nur“ mal bei einem Radmarathon oder einer Ausfahrt den Marker für seine Grenzen versetzt hat, kennt diese „Leiden“ und den „Schmerz“. Leider ist davon nicht viel zu lesen. Und auch der Wandel, den man erlebt während man über einen längeren Zeitraum diesem Zustand ausgesetzt ist, wird hier nicht dargestellt. Wie auch, das Buch zählt 80 Seiten, wovon die eigentlich Geschichte auf 65 Seiten verteilt ist. So ist es auch in einer guten halben Stunde gelesen. Das geht beinahe so schnell, daß man offensichtlich ganz vergessen hat die besagte „Exekutionstruppe“ in die Geschichte einzubauen – sie wird nicht erwähnt. Auch die „vier Stunden“ werden so nicht ansatzweise wiedergegeben. Die Geschichte gibt in etwa die letzten 10 Kilometer einer Etappe wieder. Meine Erwartungen wurden zwar leider nicht erfüllt, dennoch ist das Buch unterhaltsam.

Die Geschichte beschreibt vielmehr einen durch die eigene Teamleitung verpassten möglichen Etappensieg zugunsten eines Teamkollegen mit mehr medialer Präsenz, und wie der Protagonist mit dieser verlorenen Chance nach dem Rennen umgeht. Vielleicht sollte zumindest der „Klappentext“ bei einer Neuauflage, neu geschrieben werden.

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